Credit: Alexandros Frantzis
Credit: Alexandros Frantzis
Credit: Alexandros Frantzis
Credit: Wolfgang Pölzer

Kapitän Ahab sinnt auf Rache. Er will Moby Dick, den weißen Wal … koste es, was es wolle. Irgendwie verständlich. Immerhin war’s der Meeressäuger, der Ahab ein Bein kostete. Und die Ausflucht „Er hat ja noch ein zweites“ gilt nicht. Der Kampf auf Leben und Tod tobt, der Wal rammt das Schiff … bla, bla, bla. Der Rest ist Literaturgeschichte. Mit Betonung auf „Geschichte“. Denn im wahren Leben verhält es sich genau umgekehrt: Hier rammt das Schiff den Wal. Mit verheerenden Folgen …

 Gedankenexperiment: „Millionenshow“ mit Armin Assinger. Frage: Wer oder was stellt die größte Bedrohung für Pottwale dar, die das östliche Mittelmeer ihr Zuhause nennen? Verschlucken von Plastikmüll? Verheddern in Fischernetzen? Intensive Lärmverschmutzung? Klar, sind alles Faktoren, die den Zwölf-Meter-Riesen das Leben versauen. Die richtige Antwort aber ist: die Kollision mit Handelsschiffen. Hätten Sie’s gewusst? Oder wären Sie eher doch mit ‘nem 500 Euro-Trostpflaster im Gepäck heimwärts getorkelt, den Assinger auf ewig verfluchend?

Egal. Das Abstauben von Quizshow-Kohle ist hier nicht das Thema. Die Lage ist nämlich ernst. Hier die Fakten: Die tiefen Unterwasser-Canyons des Hellenischen Grabens vor Griechenland beherbergen Schätzungen zufolge rund 200 Pottwale, vermutlich die letzten ihrer Art im gesamten östlichen Mittelmeer. Und genau diesen Graben kreuzen jährlich etwa 31.000 Schiffe auf ihrer Route durch die Meerenge von Elafonisos und Kythira plus 13.000 „Dampfer“, die in Nord-Süd-Richtung parallel zu den Ionischen Inseln umherschippern. Im Klartext: 44.000 Schiffe „crashen“ Jahr für Jahr das Wohnzimmer von Familie Wal. Und unsereins wird’s schon zu viel, wenn an Weihnachten die Verwandtschaft antanzt …

Bizarres Detail am Rande: Jetzt versucht „SAvE Whales“, ein von der Meeresschutzorganisation OceanCare lanciertes Projekt, händeringend, Moby & Dick zu retten – und noch vor wenigen Jahren wusste niemand, dass es Pottwale im Mittelmeer überhaupt gibt! Und wer hat’s erfunden bzw. entdeckt? Zur Abwechslung mal nicht die Schweizer. Gestatten, Dr. Alexandros Frantzis, Entdecker besagter Pottwalpopulation und „SAvE Whales“-Projektleiter in Personalunion. Er beschreibt die traurige Situation wie folgt: „Aristoteles wusste zwar bereits vor 2.350 Jahren vom Vorkommen der Pottwale in griechischen Gewässern, aber dieses Wissen ging mit den Jahrhunderten verloren. Als wir 1998 entdeckten, dass Pottwale in der Nähe der Südwestküste von Kreta lebten – im selben Gebiet, in dem nun ‚SAvE Whales’ umgesetzt wird – wussten wir nichts über ihre Anzahl, ihre Sesshaftigkeit oder den Gefahren, die sie ausgesetzt waren. Wir hatten einfach den starken Willen, so viel wie möglich über ihr Leben zu lernen und ihnen auf der individuellen Ebene durch die Jahre zu folgen. So wurden sie älter und bekamen Nachwuchs … wie wir auch. Nach etwa 15 Jahren sahen wir allerdings deutlich, dass wir handeln müssen, um diese kleine Population des östlichen Mittelmeers vor dem Verschwinden zu bewahren. Sie war verschiedenen Gefährdungen durch den Menschen ausgesetzt, wobei die Kollision mit Schiffen als größte Gefahr das Potenzial hat, sie von der Landkarte auszuradieren. Wir aber wollen, dass sie weiterbesteht. Das Mittelmeer wäre schließlich viel ärmer ohne seinen eigenen Moby Dick.“

Retten schön und gut, aber wie? So: Experten verschiedener Fachgebiete arbeiten an einer effizienten Lösung für das Kollisionsproblem für jene Regionen, in denen es nicht möglich ist, den Schiffsverkehr von Wallebensräumen abzurücken. Mit Unterwasserortung, Unterwasserakustik und einem neuartigen Tool fürs Datenmanagement von Schiffspositionen. Ist gut fürs Karma der Beteiligten, wie einer der genannten Experten, Dr. Sérgio Jesus von der University of Algarve in Portugal, bestätigt: „Seit 30 Jahren bin ich in der Unterwasserakustik aktiv und habe jetzt endlich das bemerkenswerte Gefühl, etwas wirklich Gutes zu tun.“

Wer will, kann das auch: Unter

https://www.oceancare.org/de/unsere-arbeit/tierschutz/wale/savemoby/?utm_source=startseite&utm_medium=header&utm_campaign=savemoby&utm_content=webseite_headerbild

steht es jedem frei, einen wie auch immer gearteten Beitrag zu leisten – und so das Karma Milde zu stimmen. Macht Sinn. Zu jubeln, wenn Pottwale verrecken, geht nur in Buchform. Oder im Kino …

OCEANCARE – WAS IST DAS?

OceanCare ist eine politisch unabhängige, internationale Meeresschutz-Organisation mit Sitz in Wädenswil im Schweizer Kanton Zürich und setzt sich seit 1989 weltweit für die Meerestiere und Ozeane ein. Mit Forschungs- und Schutzprojekten, Umweltbildungskampagnen sowie intensivem Einsatz in internationalen Gremien übernimmt die Organisation konkrete Schritte zur Verbesserung der Lebensbedingungen in den Weltmeeren. Seit Juli 2011 ist OceanCare vom Wirtschafts- und Sozialrat der Vereinten Nationen als Sonderberaterin für den Meeresschutz anerkannt.

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