Credit: NLK|Filzwieser

Kleines Gedanken-Experiment: Österreich im Februar 2020. Sie sitzen im Kaffeehaus oder Restaurant, die Tickets für den abendlichen Kinobesuch sind schon gekauft und das Wochenende ist ebenfalls bereits ausgebucht. Dann geht’s nämlich ab zum Konzert der Lieblingsband – und ein Ballbesuch (damals war ja noch Fasching; obwohl … die Masken tragen wir ja noch immer) steht auch noch am Plan.

Plötzlich stürmt ein Typ ins Lokal. Er wirkt leicht verstört, schwitzt aus Poren, die selbst Mediziner nicht kennen, atmet schwer. Er blickt hektisch nach links und rechts – und dann passiert’s: Er starrt sie an … und kommt näher und näher und näher. Nach dem längsten kurzen Augenblick peinlicher Stille bricht es sodann aus ihm heraus: “Genießen Sie das alles, solange Sie noch können! In einem Monat ist alles vorbei! Kein Kaffeehaus, kein Restaurant, kein Konzert, kein Fest, kein Kino … nicht mal der Urlaub im Sommer wird klappen! Erfreuen Sie sich am Leben JETZT! Denn schon in wenigen Wochen ist es zu spät!”

“Was für ein behämmerter Verschwörungstheoretiker! Der gehört weggesperrt! Da sieht man wieder, was Fake News im Netz anrichten können!” So hätten Sie doch reagiert, oder? Wie höchstwahrscheinlich wir alle. Jetzt, retrospektiv betrachtet, wissen wir’s ja: Der “Wahnsinnige” hatte recht. Seit Mitte März ist tatsächlich alles abgedreht … und das wird auch noch ‘ne Weile so bleiben. Und just jetzt kommt der Sommer. Der Sommer, in dem Frauen gern mal mehr Stoff im Gesicht tragen als anderswo am Körper. Willkommen in der “Neuen Normalität” …

Auto-Kunst-Kino: Das Rezept gegen Corona-Jammer

Doch wie sagte schon John F. Kennedy? “Das Wort Krise setzt sich im Chinesischen aus zwei Schriftzeichen zusammen. Das eine bedeutet Gefahr und das andere Gelegenheit.” Et voilà, wir präsentieren Renè Voak, in diesem Sinne der JFK St. Pöltens. Er schmeißt den Laden des landeshauptstädtischen VAZ, nennt Lasertron und Bowling Center sein eigen – und managt nebenbei noch Künstler von Weltrang (Thommy Ten & Amélie van Tass, immerhin unter den Top 3 der globalen Mentalmagier-Acts). Oder anders gesagt: René ist breit aufgestellt, seit Mitte März aber trotzdem auf null. Ihn traf der Dampfhammer der Corona-Maßnahmen mit voller Wucht. Der einzige Eintrag in Voaks Geschäftsbüchern seit zwei Monaten: Rien ne va plus …

Bis jetzt. Sprach Kanzler Kurz I. nicht noch jüngst von der Hoffnung auf eine “Wiederauferstehung nach Ostern”? Gemeint war offenbar Voak. Denn nun ist er zurück. Mit einem Projekt, das Österreich – und schon gar nicht St. Pölten – je so gesehen hat: Das AUTO-KUNST-KINO am VAZ Freigelände, täglich von 29. Mai bis einschließlich 30. August 2020, dem “Jahr der Krone” (und damit ist der Virus, nicht etwa die Zeitung gemeint).

Autokino kennen wir. Die Drive-in-Theater amerikanischer Prägung sind ja schließlich nicht umsonst der Stoff, aus dem die Träume sind. Aber was zum Henker ist ein Auto-Kunst-Kino? Das hier (wir zitieren aus der Pressemeldung des VAZ):

“Auf die Besucher, die im Auto anreisen und von dort aus die jeweils zwei Kino-Vorstellungen pro Tag genießen (Audio über Autoradio), warten in zwei Open-Air-Kinosälen aktuelle und legendäre Kino-Blockbuster (ausgewählte österreichische und internationale Filme sowie spezielles Filmprogramm für Kinder, Familien, Senioren sowie im Fall der Fälle Live-Sportübertragungen). Zudem gibt es auf der 13×8 Meter großen STP-Stage mit riesiger LED-Video-Wall ein eigenes Kunst- und Kulturprogramm mit regionalen, niederösterreichischen und österreichischen Künstlern. Dies selbstverständlich unter Einhaltung sämtlicher Sicherheitsstandards.”

Von Film bis Quiz: Dabei sein ist alles!

Dabei im Film-Angebot: Aktuelle Oscar-Gewinner (von “Bohemian Rhapsody” über den “Joker” und “A Star is born” bis hin zum diesjährigen besten Film des Jahres “Parasite”), ausgewiesene Klassiker (“The Big Lebowski”, “Grease”, “The Rocky Horror Picture Show”) und Animationsstreifen für alle, die’s gern handzahm lieben (“Minions”, “Die Eiskönigin 2”, “Drachenzähmen leicht gemacht” usw.).

Dazu Live-Acts wie Sandkünstlerin Irina Titova, Kinderliedermacher Bernhard Fibich, Austropop-Urgestein Alexander Goebel, Kultmundartsänger & Reggae-Größe Lukascher – und natürlich Voaks “One & Only” Thommy Ten & Amélie van Tass, denen es wohl gelingen wird, das Publikum einmal mehr zu verzaubern. Und das im wahrsten Wortsinn. Ach, und jene, die mit ihrem Wissen brillieren oder sich mal so richtig blamieren wollen, steht es frei, sich am wöchentlichen Sonntagsquiz zu versuchen. Dem ersten Pubquiz im Auto!

Hier der Link zum gesammelten Programm-Werk des Auto-Kunst-Kinos zu St. Pölten:

https://www.megaplex.at/inhalt/autokino

Credit: Koestler

Und was sagt Voak selbst dazu? “Es sind harte Zeiten für uns alle. Umso erfreulicher ist dieses starke Lebenszeichen der heimischen Kino-, Kunst- und Veranstaltungsszene. Getreu der Devise: Hurra, wir leben noch! Ich hoffe, dass es uns gelingt, den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis und ein paar schöne Momente abseits von Gesundheitsstatistiken, Existenzängsten und Social Distancing zu schenken.”

Genau, Herr Voak, das hoffen wir auch. Erstens besitzt der Autor dieser Zeilen eine an Irrsinn grenzende private Filmsammlung von mehr als 13.000 DVDs & Blu-rays und ist somit durchaus als Filmliebhaber zu kategorisieren, und zweitens ist es höchste Eisenbahn, dass angepackt, nicht der Kopf in den Sand gesteckt wird. Haben wir Voak nicht eingangs als St. Pöltner JFK tituliert? Gut, dann wünschen wir uns jede Menge Besucher … auch von außerhalb! “Ich bin ein Berliner” war gestern. “Ich bin ein St. Pöltner” – das soll es in Hinkunft sein …

Bevor wir’s vergessen: Ein Nebensätzchen Voaks wollen wir keinesfalls unterschlagen. “Das Auto-Kunst-Kino wäre auch in coronafreien Zeiten ein absolutes Highlight.” Stimmt. Wir sind schon mal dabei! Und falls nun jemand sagt “Das letzte Mal im Kino war ich bei ‘Doktor Schiwago'”, dem sagen wir in guter alter Andreas Hofer-Manier: “Mander s’isch Zeit!”

Zur Einstimmung aufs Auto-Kunst-Kino hier noch drei Trailer von Klassikern, die man gesehen haben muss, um behaupten zu können, auch tatsächlich gelebt zu haben:

  • Grease (1978) mit John Travolta und Olivia Newton-John
  • The Rocky Horror Picture Show (1975) mit Tim Curry und Susan Sarandon
  • The Big Lebowski (1998) mit Jeff Bridges, John Goodman und Steve Buscemi

Hier noch die Hard Facts zum Auto-Kunst-Kino St. Pölten:

  • Datum: 29. Mai bis 30. August 2020
  • Ort: VAZ St. Pölten
  • Filmprogramm: insgesamt 188 Kinovorführungen an 94 Veranstaltungstagen
  • Kapazität: bis zu 250 Autos bzw. 1000 Besucher pro Vorstellung
  • Ticketverkauf: online unter www.megaplex.at/inhalt/autokino
  • Einlasskontrolle: mittels QR-Code durch die geschlossene Fensterscheibe
  • WC-Anlagen: beim Verlassen des Autos und Aufsuchen der WC-Anlagen gilt Maskenpflicht
  • Catering: über Wutzl Gastro; Zustellung direkt zum Auto per Golfcart, unter Einhaltung sämtlicher Auflagen

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