Credit: Sebastian Konopix

User „Schwambolini“ auf gutefrage.net: „Ich, männlich, könnte doch einige Menschen mit Zaubertricks beeindrucken. Geht das?“ Antwort von „Willy1729“: „Hast du noch nie ‚The Big Bang Theory’ gesehen und wie wahnsinnig ‚toll’ Howard Wolowitz mit seinen Zaubertricks bei den Damen ankommt?’ Gegenfrage: Hast du, werter Willy, noch nie von Thommy Ten & Amélie van Tass gehört, Österreichs Antwort auf Harry Potter & Hermine Granger? Sie beeindrucken weit mehr als „Schwambolinis“ anvisierte Tussi-Crowd. Zu ihren Groupies zählen Simon Cowell, Ex-Spice Girl Mel B, Komiker Howie Mandel und Heidi „Warum darf ausgerechnet ich über Talent entscheiden?“ Klum, kurz die gesamte „America’s Got Talent“-Jury, sowie Millionen Amerikaner, die sie bei der 2016 ausgestrahlten Staffel des US-Version des Supertalents in ihren Bann zogen. Mit Mentalmagie. Von schmierigen Wolowitz-Stümpereien á la „Hoppla, was macht denn der Hase in meinem Hut?“ sind die beiden gottlob meilenweit entfernt. Sie verblüffen mit „Hellseherei“. Ob Gedanken, Kreditkartennummern oder die exakte Anzahl eingesackter Jelly Beans – dem magischen Duo bleibt nichts verborgen. Die Früchte der magischen Arbeit: Jurywertung 10 aus 10 … und Ex-Skeptiker, die Harry Potter plötzlich für ‘ne Doku halten …

Thommy & Amélie, am internationalen Magier-Parkett als „The Clairvoyants“ bekannt, live on stage: Wie sieht das aus? Simpel, aber effektiv. ER gibt den zauberhaften „Moderator“, SIE das Orakel, das Dinge weiß, die keiner wissen kann. Dazu ‘ne heftige Prise Publikumsbeteiligung (klar, irgendwoher müssen Utensilien und Infos, über die Amélie besser Bescheid weiß als der „Proband“ selbst, ja herkommen) – fertig ist der Kern der Show. Klingt jetzt nicht überbordend spektakulär, ist es aber. Am besten, ihr macht euch selbst ein Bild:

Ihr wollt das gemachte Bild sogar weiter vertiefen? Kein Problem: Entweder online (https://www.youtube.com/user/thommyten; verlinkt zum offiziellen Channel der Clairvoyants) oder gerne auch live (das magische Duo ist immer auf Achse; in Österreich, Deutschland, den Staaten, kurz weltweit; einzige Ausnahme: der “Shutdown-Zauber” von Corona; dagegen sind sogar die beiden machtlos) und wir garantieren, dass es auch euer Kiefer nicht schaffen wird, der Gravitation standzuhalten. Mentalmagie – im Übrigen dargeboten von den beiden amtierenden Weltmeistern in dieser Disziplin – zu beschreiben ist sowieso sinnloser als DVD-Abende ohne Fernseher: Man MUSS sehen, um zu verstehen.

Mentalmagie: Hexerei oder doch nur ein Trick?

Credit: Sebastian Konopix

Obwohl verstehen ist so’n Ding: Zu begreifen, was Thommy & Amélie auf der Bühnesoabreißen, gleicht einer Lebensaufgabe. Also stellen wir hurtig die Frage, die noch nie ein Magier beantwortete: Wie zum Teufel funktioniert’s? „Das wissen wir manchmal selbst nicht so genau, aber Hauptsache, es klappt. Und das Geheimnis an sich behalten wir natürlich für uns.“ Verdammter Magier-Ehrencodex … doch alles andere wäre höchst unprofessionell. Interessant dagegen Amélies Geständnis, dass es Leute gibt, die angesichts ihrer Fähigkeit, „in die Zukunft zu blicken“, sogar ein wenig die Angst packt. „Das versuchen wir dann immer sofort im Keim zu ersticken. Wir wollen unterhalten, nicht verängstigen. Im Publikum Emotionen zu wecken – JA. Aber es gibt Grenzen.“

Ach daher rührt ein Posting auf YouTube, bestehend aus einem einzigen Wort: „Witchcraaaaaaaaft!!“ Hexerei? Wohl zu oft „Die Hexen von Eastwick“ geguckt! Und dann sind da noch die Oberschlauen, die meinen, alles durchschaut zu haben. Deren Lieblingstheorien: Alles ist abgesprochen, jeder Protagonist ist eingeweiht. Oder aber Amélie trägt unter ihrer Augenbinde eine Virtual Reality-Brille, bekommt die Infos sozusagen frei Haus vors Antlitz projiziert. Verschwörungsformeln, die das Zauberpärchen bestenfalls amüsieren. „Falls es uns gelingt, jene auszuspähen, die hoffen, uns auf die Schliche zu kommen, bauen wir sie unverzüglich in die Show ein – und schon fällt deren ‚Ich-weiß-wie’s-geht-Kartenhaus’ in sich zusammen. Falls nicht, packen wir eine Nummer aus, die das ganze Publikum integriert. Schließlich wäre es unmöglich, ALLE im Vorfeld zu briefen. Der Kartenhaus-Effekt ist der gleiche.“

Credit: Sebastian Konopix

Was aber, wenn wirklich mal was schief geht? Wie mogelt ihr euch drüber? „Gar nicht. Ein Illusionist, der groß ankündigt, etwas erscheinen zu lassen, das dann nicht kommt, steht ziemlich dumm da. Bei uns aber ist der Worst Case, dass Amélie mal in einem Punkt daneben liegt, dafür jedoch bei anderen Details einen Treffer nach dem anderen landet. Fällt also kaum ins Gewicht. Und außerdem ist’s gut, dass nicht alles immer klappt. Das hat etwas Menschliches.“ Tja, auch Magier sind letztendlich nur Menschen: Ein Stehsatz mit dem Zeug fürs „Wort zum Sonntag“ – und trotzdem kommt man nicht umhin, ihn gebetsmühlenartig zu wiederholen.

Thommy – Der bessere Harry Potter

Was ein gutes Zauber-Gespann nun ausmacht? „Blindes Verständnis, Talent, Feingefühl und jede Menge harter Arbeit.“ Arbeit, die im Falle Thommys schon im Kindesalter begann. Wie? Mit dem „Fressen“ von Harry Potter-Büchern und einem Zauberkasten, den er seinen Eltern als Knirps aus der Hüfte leierte. Die erste Zaubershow vor kleinem, erlesenem Publikum folgte mit 13 (!) und bestand schon damals ausschließlich aus Tricks und Kunststücken, die sich Thommy selbst beibrachte. Warum? „Zu viele meiner Freunde hatten den gleichen Zauberkasten wie ich. Also musste was Neues her.“ Wow, das nennen wir Commitment!

Credit: Sebastian Konopix

2011 schaffte er es dann in der ORF-Casting-Show „Die große Chance“ bis ins Halbfinale, wurde „Deutscher Meister der Mentalmagie“ und traf Amélie, mit der er seitdem (be)zaubernd durchs Leben geht … auch abseits der Bühne. 2015 folgte der Titel bei den Weltmeisterschaften der Zauberkunst in Rimini und jetzt, nach dem finalen Durchbruch in den Staaten, zählen „The Clairvoyants“ zu den vier Topverdienern in der Magier-Branche. Sie waren bei Ellen DeGeneres, der Today Show, spielten vor ausverkauftem Haus am New Yorker Broadway, gingen 2019 zum wiederholten Male auf US-Tournee – kurz, legten eine Bilderbuch-Karriere hin, die ihrerseits der Definition von „magisch“ entspricht. „Wir sind pausenlos unterwegs, kommen kaum zum Verschnaufen und kriegen daher oft erst im Rückblick so richtig mit, was da in den letzten vier Jahren alles abging. Es ist grade mal ein paar müde Jährchen her, dass wir zum ersten Mal nach New York auf Urlaub flogen – und jetzt hängt am Times Square das überlebensgroße Plakat unserer Show. Echt gigantisch!“

Wie im Film: Ein Kremser erobert Amerika

Richtig. Privat logieren die beiden im niederösterreichischen Krems, einem Städtchen mit schlappen 24.000 Einwohnern, in der die Bürgersteige nach 19 Uhr hochgeklappt werden, beruflich begeistern sie Fans im Big Apple, der Metropole, die bekanntermaßen niemals schläft. Zwei völlig unterschiedliche Welten, die Thommy und Amélie gemeinsam, nicht einsam, erleben. Ein Glücksfall, wie beide betonen. „Allein auf Tour zu sein: Schon der Gedanke daran ist schrecklich. Wir haben die Möglichkeit, alles zu zweit zu erleben, uns auszutauschen, die Zeit zwischen den Auftritten sinnvoll zu füllen. Fühlt sich manchmal wie Urlaub an … ein wahrer Segen.“ Erfolgreich und verliebt: Hey, das wird ja immer magischer!

Credit: Sebastian Konopix

Und der Dosenöffner war … jawohl, „America’s Got Talent“. „Wir wollten auch in Amerika eine gewisse Popularität erlangen – und dafür kam die Plattform dieser Show wie gerufen. Schließlich erreichst du damit über Monate ein Millionenpublikum zur besten Sendezeit. Dass der Plan allerdings so punktgenau aufging, damit konnte nun wirklich niemand rechnen.“ Klar: Denn Angebote gibt’s zuhauf. Aus Asien, Afrika, Europa, den Staaten – jeder lechzt nach einem Stück Magie. Und das, obwohl sie die Show nicht mal gewannen: Grace VanderWaal, ein 12-jähriges Mädel, sang sich an die Spitze der Zuschauergunst, für Thommy & Amélie reichte es „nur“ für Platz 2. Ein Votum, das so manchen US-TV-Konsumenten erboste. „Singen ist nix Besonderes. Was ihr aber könnt, ist außergewöhnlich.” Und Statements wie diese gab’s reichlich.

Credit: Sebastian Konopix

Andere wiederum erteilten gut gemeinte Ratschläge: „Pfeift auf ‚America’s Got Talent’, gewinnt die Lotterie. Ihr müsst die Zahlen ja wissen.“ Ein Tipp, den beide beherzigten – wenn auch anders als vom Fan gedacht. „Lustig, das mit den Lottozahlen kommt immer wieder. Und genau deshalb ist’s nun Teil der Show.“ Aber war da nicht noch eine Frage, die so manchen Zuseher quälte? Ja, diese hier: „Warum habt ihr nicht schon am Anfang des Finales gesagt, es nicht gewinnen zu können? Habt ihr’s nicht gewusst?“ Amélie antwortet kryptisch: „Vielleicht wussten wir’s ja, entschieden uns aber, zu schweigen. Ihr wisst schon … der Spannung wegen …“ So is’ sie eben, die fabelhafte Welt der Amélie. Vor dieser Frau ein Geheimnis zu verbergen ist scheinbar ein Ding der Unmöglichkeit. Thommy, pass auf …

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

*

code