von Herbert & Jeanette Nitsch

Ja, und weil es grad so schön zum Thema passt: Was steht eigentlich so am täglichen Menüplan von Herrn und Frau Zuchtlachs? Was fressen die überhaupt? Mist und Gift … um die Frage mal pauschal zu beantworten. Zur Untermauerung dieser „gemeinen Generalisierung“ sei Folgendes erwähnt: Norwegischen Zuchtlachsen werden mit giftigem Fischöl verunreinigte Trockenfutter-Pellets verabreicht, hergestellt aus kleinen Fischen der Ostsee. Und diese kleinen Fische sind hochgradig verseucht … der küstennahen Ostsee-Industrie sei Dank.

Wissen wir eigentlich seit 2013. Seit die norwegische Kinderärztin Dr. Anne-Lise Bjørke Monsen zum Whistleblower avancierte und die Schandtaten aufdeckte. Führte sogar zu einer offiziellen Warnung vor norwegischem Zuchtlachs, gerichtet an Kinder und Schwangere. Was wissen wir noch seit 2013? Norwegischer Zuchtlachs ist fünfmal giftiger als jede andere Gruppe von Lebensmitteln. Und trotzdem geben sich die Lobbyisten der Lachsfarmen in den „geheiligten Hallen“ der Brüsseler EU-Glasbunker bis zum heutigen Tag freundlich, doch bestimmt die Klinke in die Hand. Immer wieder erhellend, mitzukriegen, wie unernst uns die Politik doch nimmt …

Genug der Hiobsbotschaften? Leider nein. Denn am Speiseplan der Zuchtlachse stehen auch Köstlichkeiten wie

• Fisch-Pellets bestehend aus 75 Prozent pflanzlichem Material (Soja, Mais, Pflanzenöl, Weizen, Erbsen, Bohnen; das absolute Limit für Lachse; mehr pflanzliches Zeug würden sie nicht überleben), gewürzt mit einer heftigen Prise des neurotoxischen Insektizids Endosulfan. Die Verwendung desselben bei für den Menschen gedachten Lebensmitteln ist übrigens verboten. Also eigentlich …

• aus Krustentieren gewonnenes Astaxanthin; gibt dem Lachsfleisch diesen wunderbaren Hauch von Rosa; ohne wäre er nämlich grau

• chemisch verarbeitete Hühnerfedern; dient als Füllmaterial für Fisch-Pellets; hey, auch der gemeine Lachs braucht Protein …

• Emamectin-Benzoat, ein Bio-Pestizid zur Bekämpfung von Seeläusen; führte bei Laborversuchen an Ratten zu Leber-, Milz- und Nierenschäden

Noch hungrig? Falls ja, wie wäre es mit einem Lachsschnittchen aus der US-Schmiede von AquaBounty Technologies im Bundesstaat Massachusetts. Ein besonderer Gaumenschmeichler, weil genmanipuliert. Das Fischchen wächst schneller, frisst aber weniger … ein Wachtraum für jeden Turbokapitalisten! Derzeit allerdings nur in Kanada am Markt. Bis das Teil auch in Europa anschwimmt, wird’s wohl noch ein Weilchen dauern.

Wirft eine zentrale Frage auf: Was zum Henker läuft falsch in der Lachszucht-Industrie? Jeder plappert unablässig über Gesundheitsstandards und Nachhaltigkeit – und denen wird gestattet, sich darum einen Dreck zu scheren? So is’ es! Die Politik British Columbias steht geschlossen wie eine Eins hinter den Fischquälern: Deren wirtschaftliche Bedeutung – vor allem die Exportquote – ist einfach zu hoch. Da riskiert kein „Volksvertreter“ auch nur ein falsches Wort. Aber gibt’s nicht irgendwelche Richtlinien? British Columbia ist schließlich nicht die Welt! Ja, gibt es. Festgezurrt vom in den Niederlanden ansässigen ASC (= Aquaculture Stewardship Council), das Standards für Umwelt, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung vorgibt. Sogar in Zusammenarbeit mit dem World Wildlife Fund (WWF), einer gemeinhin durchaus respektierten Umweltschutzorganisation. Daraus entstand das Salmon Aquaculture Dialogue-Komitee, das sich nicht entblödete, ein Lachs-Qualitätssiegel ins Leben zu rufen. Warum „entblödete“? Ein Qualitätssiegel ist doch super. Und wenn sogar der WWF dabei ist? Pfeif’ drauf. Im alle Entscheidungen fällenden Komitee sitzen vier Vertreter der Lachszucht-Industrie, ein Futtermittel-Produzent sowie vier Repräsentanten von NGOs. Heißt im Klartext: 5:4 ZUGUNSTEN der Industrie – bei JEDER Entscheidung. Heißt ebenfalls: Dieses Siegel kannst du dir geflissentlich an den Hut stecken. Oder sonst wohin …

Credit: nordicaquafarms.com

Aber es gibt auch Lichtblicke: Die Zahl der landbasierten Lachsfarmen wächst. Zwei Paradebeispiele: Nordic Aquafarms mit Chef Erik Heim, ein Unternehmen, das mit hochmodernen Tanks mit einem Fassungsvermögen von 8000 Kubikmetern Flüssigwasser operiert. Der Vorteil: Die Lachse bleiben aktiv und fit, da sie im wahrsten Wortsinn konstant gegen den Strom schwimmen. Ein Strom bzw. eine Strömung, vom Filtersystem des Tanks erzeugt. Tja, und dann wäre da noch Willowfield Enterprises, die erste landbasierte Blaurückenlachsfarm der bekannten Welt. Deren Tanks füllen sich auf natürliche Weise mit Quellwasser, selbst das Entsorgen von Fischabfällen und Ammoniak wird „au naturel“ – nämlich von einheimischen Pflanzen in angrenzenden Forellenteichen – erledigt. Und diese Forellenteiche füllen sich wiederum mit dem Quellwasser aus den Tanks (in welche natürlich neues eindringt). Ein Kreislauf wie in Mutter Natur – und der ist bekanntlich immer noch der Beste. Die Heimat von Willowfield Enterprises? British Columbia. Ausgerechnet dort … ist man fast geneigt zu sagen …

Credit: nordicaquafarms.com

Eins noch: Alexandra Morton, die First Nations und Sea Shepherd warfen die Flinte selbstnatürlich nicht ins Korn. Sie kämpfen weiterhin für mehr Gerechtigkeit in Sachen Lachs. Mit tatkräftiger Unterstützung der RV Martin Sheen. Na ja, irgendwann fanden selbst die kanadischen Behörden keine Beweggründe mehr, das Schiff noch länger festzuhalten. Und gesetzt den Fall, der Appetit auf Lachs ist nach Lektüre dieses Artikels kräftig gezügelt … keine Bange! Vergiss den Lachs. Iss einfach was Gscheit’s, weil pflanzlich. Schmeckt genauso. Und schont Magen wie Umwelt. In diesem Sinne: Bon appétit!

Credit: nordicaquafarms.com

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