Credit: Lukas Fleisch

Es ist dunkel. Man sieht kaum die Hand vor Augen. Nur das Licht blutroter Laserstrahlen weist dir den Weg. Du bewegst dich geschmeidig durch ein Labyrinth geheimnisvoller Hindernisse, stets den Phaser im Anschlag. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, denn der Gegner ist gewieft, flink und unberechenbar. Ein Kampf auf Biegen und Brechen, dennoch sieht es gut aus: Dein Team befindet sich auf der Siegerstraße, steht kurz vorm Triumph … und just in diesem Augenblick wirst du getroffen. Du wankst, blickst mit letzter Kraft auf deinen Phaser und stellst fest: „Mist, das Teil ist leer. Ausgerechnet jetzt muss ich zurück zum Aufladen. So ein Dreck aber auch.“ Du eilst zurück zur Home Base – und danach beginnt das Ganze von vorn. Ein Fiebertraum mit Anleihen bei „Tron: Legacy“, PlayStation Games und Völkerball? Irgendwie schon … nur gibt’s diesen Traum in echt. Sein Name: Lasertron. Ein Indoor-Cybersport für alle Generationen zwischen 7 und 100, der sich wo besonderer Beliebtheit erfreut? In Österreich, dem Land, das Trends gerne mal 20 Jahre hinterher läuft. Hier aber haben die Ösis die Nase vorn. Sie waren sogar die Ersten, die Lasertron nach Europa holten. Eigentlich logisch. Es heißt ja nicht umsonst: Die Letzten werden die Ersten sein …

Credit: Manuel Tauber-Romieri

Österreich gegen Deutschland 3:1: Im Fußball so wahrscheinlich wie korrekte Abgaswerte bei VW, in Sachen Lasertron Realität. Drei rotweißroten Arenen (in St. Pölten, Graz und Linz) steht eine in Freiburg gegenüber (heißt zwar Laser Space, ist aber dasselbe) – und selbst bei dieser hatte René Voak, Österreichs Cyberspace-Mastermind, seine Finger im Spiel. Allerdings gab er sich mit der Vermittlerrolle zufrieden … das Trio an Ösi-Arenen läuft sowieso schon unter seiner Regie. Aber warum eigentlich Lasertron? Renè, passionierter USA-Fan und –Urlauber, kramt in seinen Erinnerungen: „Wo alles begann? Vor etwa zehn Jahren in Buffalo, kurz vor der kanadischen Grenze. Dort stolperte ich über Lasertron, war damals aber noch ahnungslos und hatte keinen Schimmer, was sich dahinter verbirgt. Ich musste es ausprobieren – und ein paar Spiele später war ich schon angefixt.“ Verdammt, immer diese Amis. Doch ob wir’s wahrhaben wollen oder nicht: Was Entertainment betrifft, macht ihnen keiner was vor …

How to Play: Lasertron for Dummies

Bevor das Stirnrunzeln der Nichteingeweihten jedoch medizinische Spätfolgen nach sich zieht klären wir nun die Frage: Wie läuft’s ab, wenn Greenhorns ins Cybersport-Universum eintauchen? Renés intuitiver Verbalreflex: „Einfach ausprobieren. Das ist immer noch der beste Tipp.“ Schon klar. Aber selbst Mister Miyagi führte Karate Kid langsam in die Materie ein. Also, René, weck den Miyagi in dir! Gesagt, getan …

  • Erster Schritt: anmelden. Entweder direkt vor Ort am Counter oder online unter www.lasertron.at. Prinzipiell sind Spiele ab zwei Personen möglich (1 gegen 1), doch mit der Größe der Teams steigt auch der Spaßfaktor. Das Spieler-Maximum variiert je nach Größe der Arena: In St. Pölten sind’s 40 (20 gegen 20), in Graz 32, in Linz 30.
  • Der Game Computer entscheidet nach dem Zufallsprinzip, wer in welchem Team spielt. So wird sichergestellt, dass möglichst ausgeglichene Mannschaften an den Start gehen. Im Klartext: Auch als Mof (Mensch ohne Freund) bleibt Lasertron kein unerfüllter Wunsch. Du wirst einem Team zugeteilt – und lernst auf diese Weise neue Leute kennen. Die Arena als Singlebörse? Gut möglich. Leider existieren keine Statistiken, wie viele Hochzeiten das Spiel bereits stiftete …
  • Spielberechtigt sind alle ab sieben Jahren bzw. 1,10 Meter Körpergröße. Wichtig: Besoffene ereilt das Schicksal von Hunden im Supermarkt. Sie müssen draußen warten.
  • Kleidungsvorschriften sind Fehlanzeige. Empfohlen werden Sneakers und Casual Wear, sogar Herren in Anzug und Krawatte sind willkommen. Mehr noch: Am „Suit Up Day“ spielen Anzugträger sogar gratis. Einer Barney Stinson aus „How I Met Your Mother“ geschuldete Aktion, der sich in der TV-Show als wohl bestangezogenster Lasertag-Spieler der Fernsehgeschichte präsentierte. Tussis und Party Girls aufgepasst: High Heels werden als Epic Fail gewertet … damit liegt ihr mehr auf der Schnauze als euch lieb ist. Dagegen immer wünschenswert: ein Ersatz-T-Shirt. Im Zuge eines einzigen Spiels legt man im Schnitt etwas mehr als zwei Kilometer zurück (interessantes Detail: Laufen ist nicht erlaubt, da erhöhte Verletzungsgefahr in der weitgehend dunklen Arena) und stinkt danach wie ein Iltis. Muss nicht sein … es sei denn, man steht auf Schweiß.
  • Vor Einlass in die Arena geht’s zuerst in den Briefing Room zur kurzen Einschulung ins Regelwerk. Wo kann ich getroffen werden (Brust, Schulter oder am Phaser)? Wer hat gewonnen (jenes Team, das die Spielfeldhälfte des Gegners erobert)? Wie score ich Punkte? Wo ist die Home Base zum Rechargen (= Aufladen) des Phasers?
  • Nächste Etappe: der Vesting Room. Hier wird das Equipment (Weste & Phaser) ausgefasst.
  • Der Augenblick der Wahrheit: Du betrittst die Arena. Eine Runde besteht aus vier Spielen á fünf Minuten, inklusive Vorgeplänkel dauert der Spaß ‘ne halbe Stunde. GAME ON!

Noch was: Das Basisspiel läuft im sogenannten Rapid Fire Mode. Dabei bekommt jeder Gamer während des Spiels für kurze Zeit mehr Schuss und mehr Leben. Natürlich abwechselnd … wo wären sonst Spaß und Überraschungsmoment? Ist aber noch lange nicht alles. Was hätten wir noch im Angebot? Den Spy Mode: Du bist für den Gegner „unsichtbar“, da die Beleuchtung der Weste aussetzt. Oder wie wär’s mit dem Freeze Mode? Der Spieler ist „eingefroren“, nix geht mehr. Die Message ist wohl angekommen: Varianten gibt’s en masse, das Spiel bleibt spannend – mit steigender Suchtgefahr. Der aktuell abhängigste Lasertron-Junkie: Ein österreichischer Enddreißiger, der die Arena bereits 700 Mal heimsuchte. Zugegebenermaßen ein Extremfall, doch Wiederholungstäter sind an der Tagesordnung. „Mittlerweile haben wir eine wirklich große Zahl an Stammkunden in der Kernzielgruppe der Schüler und Studenten, aber auch die älteren Semester mischen kräftig mit. Wie alt? Damen bis 65, Herren sogar bis Mitte 80. Und sind Kinder im Team, übernehmen die gern mal eine Art Führungsrolle. Es ist witzig zu beobachten, wie Zehn- oder Elfjährige das Kommando an sich reißen und schon nach wenigen Minuten beginnen, die erwachsenen Teammitglieder zu dirigieren.“ Frühreife Dreikäsehochs? Nee, mehr ein Zeichen der Zeit. Wen holt denn der Papa, wenn der Laptop schon zum x-ten Mal abstürzt? Eben …

Credit: Hermann Rauschmayr

Cybersport mit Girl Power

Bleibt noch die Frage zu klären: Was ist Lasertron? Star Wars mit Sturmtruppen in Turnschuhen? Ein Strategiespiel mit ungewohnt hoher Abschussquote? Oder doch körperliche Ertüchtigung im von Lasern durchzogenen Schwarzlicht? René, bring Licht ins Dunkel! „Es ist Cybersport, eine Mannschaftssportart wie Fußball und Eishockey. Du hast Defense und Offense, Taktik und Strategie entscheiden über Sieg und Niederlage. Preschst du mit deinem letzten Schuss nach vorne, wirst du Schiffbruch erleiden. Ist aber derjenige an der ‚Front’, der soeben in den Rapid Fire Mode wechselte, macht das sehr wohl Sinn. Es ist also strategisches Gespür gefragt, um ans Ziel zu kommen. Und das schaffst du nur mit Teamwork.“ Ja, das klingt nach Sport. Und dass sich dabei die Geschlechterrollen vermischen, ist im Zeitalter von Emanzipation und Feminismus ebenfalls von Vorteil. „Obwohl es Unterschiede gibt. Mädels sind anfangs meistens vorsichtig, während Burschen forsch vom Virus gepackt nach vorne stürmen. Nach einigen Games pendelt sich das aber ein – und nicht selten gewinnen die Girls die Oberhand.“

Credit: Manuel Tauber-Romieri
Credit: Manuel Tauber-Romieri

Aber wie steht’s um Zoff, Streit und Konflikte? Wir kennen keinen Sport, bei dem sich Protagonisten oder Fans nicht ständig in die Haare kriegen? „Jetzt schon, denn Lasertron ist anders. Ohne schönfärben zu wollen: Jeder hat ein breites Grinsen im Gesicht, will sich austauschen, seine Erfahrungen teilen. In knapp acht Jahren gab’s keinen einzigen schwer wiegenden Zwischenfall. Das spricht Bände.“ Was lernen wir daraus? Phaser stiften Frieden. Und verbinden Völker. Organisierte René doch im Lasertron St. Pölten bereits einige Europameisterschaften mit internationaler Beteiligung – darunter Gamer aus Hongkong, Schweden und den USA. Wer den Sieg davontrug? Natürlich der Ami … der Gast aus dem Lasertron-Mutterland. „Unglaublich, wie sich der ins Zeug legte. Wie sich der verbog und verrenkte, um ja nicht getroffen zu werden, mutete phasenweise fast kurios an. Und erinnerte frappant an Neo aus den Matrix-Filmen.“ Ihr habt Blut geleckt und meint, Lasertron wäre mal ‘nen Versuch wert? Worauf warten? Wie sagte schon „Morpheus“ Laurence Fishburne? „Hör auf, es zu versuchen. Mach es!“

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