Da sitzen wir also in unseren Jogginghosen, die Kontrolle über unser Leben ist verloren, abgelegt ist die Krawatte und jegliches Geschmeide, so werden neue Persönlichkeiten geboren. Ungeschminkte Gesichter ertragen die ungeschminkte Wahrheit mit nötiger Fassung, auch Existenzängste, graue Haare, gelangweilte Kinder, bis hin zur Entlassung. Wir ertragen Einschränkungen, die unerwartete Freiheiten hervorbringen, wir erleben Menschen, die am Balkon die Hoffnung und das Leben besingen.

Wir zollen uns Respekt indem wir uns räumlich distanzieren, wir halten Abstand für den gemeinsamen Kampf gegen die Viren. Wir begegnen unserem Inneren weil uns die Ablenkung im Außen verwehrt bleibt, ich frage mich, was die Bussi-Bussi-Gesellschaft jetzt wohl treibt?
Die Marillenblüte findet ohne Publikum statt, die Wachau atmet auf, so entfaltet sich die Natur und der Frühling nimmt seinen Lauf. Die Menschen stehen mit beiden Beinen am Boden, kein Flieger wird abheben, so mancher vermisst die Fremde und muss mit der verkannten Last der Heimat nun leben. Andere fühlen sich in der Luftblase ge-erdeter denn je zuvor im Leben, spüren einen gesetzten Anker während sie schweben. Ein nie dagewesenes Vertrauen in die Regierung stärkt unseren Rücken, während wir unsere Facebook-Accounts mit unterschiedlichen Hymnen schmücken.

Covid-19, Du hast die Welt aus den Angeln gerissen und geheime Sehnsüchte geweckt, du hast ungeahnte Menschlichkeit hervorgebracht und die Globalisierung geneckt. Du bist eine Riesen-Chance für diese konsumverseuchte Welt, du entwertest die Bedeutung von Ruhm, Macht und Geld. Du schenkst der Kreativität, dem Humor und dem Zusammenhalt große Aufmerksamkeit, wir alle sind zur kollektiven Demut bereit. Corona, Du machst uns Angst aber wir haben die Message verstanden – weil wir durch dich zu wahren Identitäten fanden.

Von Alexandra Lobaza 

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